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T-Shirts mit Karl Marx und Hakenkreuz tauchten im Punk ebenso auf, wie allerlei Motto-T-Shirts. Doch der Riss im T-Shirt war die eigentliche Modernisierungsleistung. Die semantischen Provokationen politischer und sexueller Art blieben der Logik des T-Shirt als Informationsdisplay immanent. Ihre Zerstörung im Dienste der Poesie machte das T-Shirt zu einem Mode-Element wie nie zuvor.
Zeitgleich wurde im HipHop das Sportswear-T-Shirt als Teil der Uniform aller Subkulturen entdeckt. Die Jeans-Anzüge von Run DMC ähnelten denen der Skinheads, statt Springerstiefel gab es Turnschuhe. Statt DocMartens gab es Adidas. Der vielleicht bedeutendste Stylist der 80er Jahre war Ray Petri. Das bekannteste Foto zeigt ihn mit einer dunklen Jeans, Schnürstiefeln, Ray-Ban-Pilotenbrille und weißem T-Shirt. Eine Mischung aus Skinhead und Armeeangehöriger. Sein Look des Hyperfunktionalen, prägte Männerbilder im späten 20. Jahrhundert. Mit seiner Buffalo-Gang destilierte er aus den Randgebieten der Mode einen Look flamboyanter Zeitgenossenschaft. Petri kaufte in Armee- und Berufskleidungsläden, er plünderte Secondhand-Geschäfte und Outlet-Center für Sportswear. Mode entstand bei ihm aus der Kombination von Dingen, die es noch nicht in die Mode geschafft haben. Der Buffalo-Look brauchte das T-Shirt. Der so genannte Street Style prägte das modische Paradigma der 80er und 90er Jahre. Designer wie Helmut Lang oder später Martin Margiela oder Raf Simons referierten in ihrer Arbeit auf diesen Look. Im 80er-Jahre-Lexikon der britischen Zeitschrift iD wurde das T-Shirt zum „most universal fashion garment of the decade“: „Every product under the sun was sold on it, every joke or innuendo plastered on it, and everyone from Madonna, Virgin Mary to Smiley stared from it.“ 1989 betrat das langarmige T-Shirt die Bühne der Jugend- und Subkulturen und wurde schnell von Modefirmen wie Katherine Hamnett und Paul Smith aufgegriffen und übernommen. Eigentlich war das T-Shirt von Anfang an Ausdruck absoluter Klassenlosigkeit gewesen. Jeder konnte es sich leisten: Diese Klassenlosigkeit verschwand jedoch in den 80er Jahren als Designer wie Armani, Comme des Garcons oder Yves Saint Laurent T-Shirts aus feinster Baumwolle entwarfen, die soviel kosteten wie die Anzughemden einfacher Herrenausstatter. In dem Paul-Schrader-Film „American Gigolo“ oder in dem Adrian Lyne-Blockbuster „9 1/2 Wochen“ trugen die erotischen Protagonisten jenes Luxus-T-Shirt. Das T-Shirt war im Yuppie-Zeitalter angekommen. Heute gibt es T-Shirts immer und überall. Als Display für Individualisierung erscheint es im 21. Jahrhundert antiquiert. Die Punktradition der Dekonstruktion erscheint weiterführender. Die digitale Informations- und Sloganflut braucht ein Gegenüber der Ruhe. Das T-Shirt hat sich beruhigt. Künftige Pointen sind ruhig und selbstverständlich. Auszug aus einem Vortrag (Gastprofessur UdK Berlin) copyright 2008 |
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