von Ulf PoschardtT-Shirts gehören in Kombination mit Jeans zum Grundbestand moderner Alltagsuniformen. In der westlichen Welt gibt es niemand ohne T-Shirt. T-Shirts werden von allen Geschlechtern, von Jungen wie Alten, Linken wie Rechten, Schwulen wie Heterosexuellen, schönen wie markanten Menschen getragen. T-Shirts verkörpern die Mode als bürgerliche Kommunikationsform. Auf ihnen wird Menschen gerne die Welt erklärt, verschränkt sich Selbst- und Fremdbespiegelung. Auch die Stummen und Ausgeschlossenen können durch T-Shirts mit anderen Menschen in Kontakt treten. Manchmal sind T-Shirts auch ein Schrei nach Anerkennung. Unter dem Schutzmantel der Zurückgezogenheit werden in verschlüsselter Form kleine Botschaften in die Welt geschickt. Der Adressat ist potenziell jedermann, doch wirklich enträtselt werden können sie nur von denjenigen, die ihre Codierung übersetzen können. Je feiner die reflektierte Wahrnehmung in die Stilisierung einfließt, umso mehr Wissen und Raffinesse wird vom adäquaten Empfänger verlangt. Die Botschaften der T-Shirts entfalten sich im öffentlichen Raum. Insofern ist diese Kommunikation demokratisch. Obwohl T-Shirts viele allgemein verständliche Botschaften haben, ist die Semantik mitunter sehr komplex. Helmut Lang druckte vor gut zehn Jahren das Wort „BACKSTAGE“ auf ein graues T-Shirt. Gefragt nach dem Sinn dieses Wortes, gab er eine lange Erklärung: „Hier haben wir ein Wort, das zu einem Zeichen geworden ist. Eichen sprechen anders als Worte. Wer sie verstehen will, muss den Code kennen. Backstage – wörtlich übersetzt heißt das nur: Hinter der Bühne. Da, wo es abgeht. Da, wo nicht jeder hin darf. Da, wo die Sprache Englisch ist und die Arbeit eine Nervenschlacht, der Alkohol in Pappbechern ausgeschenkt wird und die schönsten Schönheiten plötzlich in Unterhosen da stehen. Der Code sagt etwas, das vielleicht vermessen klingt: Das hier ist Ernst – unser Leben. Das wirkliche Leben. Nicht die Show.“ Aber auch, wenn man ein weißes T-Shirt trägt, sagt man etwas. Man verweigert die Aussage und bekennt sich zur minimalistischen Eleganz der Moderne. Der Kunsthistoriker Beat Wyss nannte seine 1997 erschienene Essaysammlung zur Ästhetik und Geschichte der Medien „Die Welt als T-Shirt“. Für den Hegelianer ist das T-Shirt ein „Leitmotiv der Pop-Bekleidung“: „Für unsere Epoche etwa das, was für das 18.Jahrhundert die Perücke war. Das T-Shirt ist geschlechtsneutral und passt zu schwarzer, weißer, gelber und roter Haut.“ Als zeitgenössischer Intellektueller identifiziert er in den Kommunikationsstrategien des T-Shirts jene Selbstbezeichnung seiner Träger, die in einer Informationsgesellschaft Identitätsprägend sind. |
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