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SHAKE YOUR TREE PREVIEW
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Seit 2004 begluücken Shake Your Tree die Welt mit Fanzines, jetzt folgt am 19. April die neue Ausgabe im farbensprühenden Buchformat: Shake Your Tree #3 – The Book Issue. Auf 200 Seiten haben Florian Bayer, Manuel Bürger und Sebastian Haslauer zusammengetragen, was sich ihrem Netzwerk an kreativem Output entlocken ließ: feinsinnige Illustrationen, kluge Essays, banale Witze, mitreißende Prosa und gestalterische Experimente. Das Ergebnis ist spaßig und ernst, brutal einfach oder raffiniert und geistreich.

„Fun is back!“ verspricht das Vorwort in dicken Lettern gleichzeitig aber auch Substanz und einen kritischen Blick auf die Welt. Beide Versprechen werden im Buch eingelöst. Die „Discoghosts“, mit ihrem Debüt-Album als Gimmick im Buch vertreten, bringen in einem Interview als „realleste“ aller Geister eine Kritik am Kult um alles Echte mit kinder- karnevalstauglichem Verkleidungsspaß zusammen. Die Musik des Duos entscheidet sich bewusst für das einen Tick zu dick Aufgetragene und lässt so beim Tanzen noch einmal darüber nachdenken, warum Disco eigentlich so viel Spaß macht. Methodisch ähnlich arbeitet der illustrative Beitrag „Hugs for free“; er beschäftigt sich allerdings mit einem ganz anderen Phänomen: Die farbigen Zeichnungen zeigen Polizisten und Demonstranten Bilder, wie man sie aus den Nachrichten kennt. Doch einige Abweichungen vom Gewohnten machen stutzig: Tragen da Polizisten Supersoaker anstelle von Pistolen, tanzen sie mit Demonstranten oder nehmen sie sie doch fest? Diese Medienkritik ist subtil und unmittelbar zugleich. Shake Your Tree #3 bietet jedoch nicht nur kritische Anmerkungen auch die reine Schaulust wird befriedigt: Visuell überbordende Collagestrecken laden zum Staunen und Entdecken ein.

Die Vielfalt des Buches ist bewusst gewollt und spiegelt seine Entstehungsweise wider: Shake Your Tree #3 ist das Produkt eines weitverzweigten Netzwerks, in dem Künstler aufeinander treffen, die nicht nur geographisch, sondern auch ästhetisch unterschiedliche Positionen einnehmen. Das wird bei jedem Umblättern deutlich und macht das Buch so spannend. Explizit wird das Netzwerkthema in einem Essay über die digitalen Netzwerker der nuller Jahre erörtert: Myspace Gründer Tom Anderson ist der friend von 250 Millionen Nutzern und hält die Verknüpfungsapparaturen der gegenwärtigen Jugend weiter am Laufen. Ist das gut? Ist das schlecht? Diese Frage wird nicht beantwortet. Für Shake Your Tree jedenfalls gilt, was in einer detailver- liebten zeichnerischen Darstellung ihrer ausufernden Welt auf einem Wegweiser zu lesen ist: „Rhizome is a dancer!“

Vor allem dann, wenn die Verbindungsstränge nicht mehr nur über Datenkanäle laufen. Bislang arbeitet der Kern des Netzwerks verteilt in Mainz, Stuttgart, Berlin und Brighton. Internet-Konferenzen und E-Mail-Accounts mit unbegrenztem Speicher-Volumen sind dabei hilfreich können die inspirierende Reibung im direkten Austausch aber nicht ersetzen. Und das gemeinsame Bier nach getaner Arbeit erst recht nicht. Deshalb planen die drei Gründer, Freunde schon seit der Schulzeit, sich bald wieder an einem Ort zu vereinen.