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Richard Avedon

28.01.2008, 15.09

Mein grosses Interesse in der Fotografie ist definitiv das Portrait. Ein Fotograf hat es mir besonders angetan. Ich möchte Euch in folgendem Text die Arbeit von Avedon näher bringen und seine Portraitfotografie skizzieren.

“Ein Portraitfotograf ist abhängig von der Person, die ihm gegenüber steht.” Richard Avedon hat seinem Gegenüber nie nur als reines Objekt angesehen.

Das Modell war ein Partner und der wesentliche Teil der Aufnahme. Doch die Kontrolle, wie er sagt, liegt immer bei ihm. Ein Pedant. Mehr als nur ein Perfektionist. Das muss jeder gute Fotograf sein. Avedon war das alles und noch viel mehr.

Richard Avedon ist 2004 an Folge einer Hirnblutung gestorben. Es kam für alle überraschend, denn er war trotz der 81 Lebensjahre ein unermüdlicher Kamerakünstler, der ständig auf Reisen war. Wie auch 2004: Im Auftrag für das Magazin “New Yorker” war er unterwegs durch das große Amerika. Mit der Hasselblad auf der Suche nach Demokratie. Im Wahljahr 2004 lies es sich Avedon nicht nehmen, einen Spiegel der amerikanischen Gesellschaft aufzustellen. Schaut her: Diese Menschen erreicht die Politik nicht. Dies sollte insgeheim die Aussage der Fotostrecke werden. Leider sollte sie nicht vollendet werden.

Schon im Jahr 1985 hat Avedon mit “In The American West” ein Bildband geschaffen, dass dasselbe Thema in den Vordergrund stellt: den Menschen. Bildnisse von anonymen Menschen, die wie es so scheint, von ihrem Amerika abgeschieden leben. Vergessen von der Gesellschaft. Alpträume des “American Dream”. Weit weg war die New Yorker Kunstszene, in der er regelmäßig verkehrte. Hollywood wurde eingetauscht gegen staubige Provinz. Es ist u.a. ein arbeitsloser Kohlearbeiter, ein ehemaliger Preisboxer und eine schwangere Hausfrau, die Avedon vor ein weißes Tuch stellt und portraitiert. Ihnen eine Plattform gibt. Ohne das sie es wissen. Eine gewisse Skepsis kann man den Modellen ansehen und die Kraft der Portraits liegt in den Augen. Sie scheinen zu resignieren und zu klagen. “In einer Fotografie gibt es keine Ungenauigkeit. Alle Bilder sind fehlerfrei. Keines von ihnen ist wahr.” Richard Avedon sagt damit aus, dass es keine Ähnlichkeit in den Portraits gibt. Keine Parallele zum Menschen der auf dem Bild zu sehen ist. Es bleibt bei einer Meinung, denn sie ist nicht greifbar. Schon gar nicht die des Portraitierten. Und er macht auch keine Unterschiede in den Portraits. Die Bilder können einen Müllmann zeigen oder eine Hollywood Schauspielerin: Vor Avedons Linse war jeder gleich.

Doch trotz der teilweise schockierenden Portraits, lagen viele Persönlichkeiten Wert darauf, von Avedon portraitiert zu werden. Henry Kissinger soll einmal während einer Portraitsitzung Avedon gebeten haben: “Seien Sie gnädig mit mir!”

Avedon hinterlässt ein großes Archiv an Arbeiten, die gekonnt den schmalen Grad zwischen freier und auftragsgebundener Fotografie verbindet.
Seine Portraits sind technisch nicht besonders aufwendig. Er benutzt oftmals nur ein weißes Leinentuch als Hintergrund und bedarf sich keiner Requisiten, die nur unnötig vom wesentlichen ablenken. Auch vor großen Lichtkompositionen ist der Amerikaner abgeneigt gewesen. Eine Lampe hat ausgereicht um die Natürlichkeit des Modells zu bewahren und die typischen Avedon Portraits zu erhalten: Ehrlich zu Beginn und tief im Inneren. Avedons Portraits zeigen schonungslos auf das, was ist. Sie sind nicht schmeichelnd noch lassen die Bilder das Modell schöner wirken als es ist. Der Mensch mit all seinen Facetten, ist der Mittelpunkt der Portraits.

© Gabriel Schauf

Bilder aus “In the American West”

picture 2 Richard Avedon

picture 3 Richard Avedon

picture 1 Richard Avedon

http://www.richardavedon.com/

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